Was versteht man unter Osteopathie

Unter Osteopathie versteht man eine manuelle, also mit den Händen durchgeführte Behandlungsmethode. Durch gezieltes Beobachten, Prüfen und Schlussfolgern, unter Kenntnis der Biomechanik des Pferdes, können Bewegungseinschränkungen aufgespürt werden. Die Ursache hierfür kann tatsächlich in den Gelenken liegen. Manchmal sind es aber auch muskuläre, fasziale oder nervale Probleme, die die Mobilität einschränken. Zur Behandlung steht ein Repertoire aus Weichteiltechniken (zum Beispiel Massagen und Schwingungstherapie), Traktionen zur Dekompression von Gelenken, Mobilisationstechniken und letztlich Manipulationsgriffen zur Verfügung. Eine Behandlung fängt dabei immer bei den sanften Therapien an und es wird mit möglichst wenig Kraft und ohne den Einsatz von langen Hebeln gearbeitet. 

Das Ziel der osteopathischen Behandlung ist neben der Wiederherstellung der Mobilität der Gelenke und der physiologischen Muskelarbeit immer das aktuelle Wohlbefinden des Pferdes

Es muss ordentlich knacken… oder nicht?

Bei Osteopathie denken viele, geprägt durch die Medien, an so genannte Knochenbrecher und das "Einrenken" von Gelenken.

Tatsächlich geht es bei der Tätigkeit des Osteopathen zwar um die Mobilisation, also die Beweglichmachung von Gelenken. Selten haben wir es aber mit tatsächlich luxierten, also ausgerenkten Gelenken zu tun.

Das ist auch gut so, denn bei einer Luxation haben sich die beiden Gelenkspartner so weit voneinander entfernt, dass ein einfaches Zurückversetzen in die Ausgangslage nicht ausreichen würde. Das Gelenk besteht ja nicht nur aus den beiden knöchernen Gelenkspartnern. Es ist ein vielschichtiger Aufbau mit Knorpel und Gelenkskapsel, Bändern zur Stabilisierung und Muskelansätzen zur Bewegung. 

Ein wirklich ausgerenktes Gelenk würde zu extremer Schmerzhaftigkeit und abnormaler Beweglichkeit des Gelenkes führen.

Dies würde begleitet von extremer Lahmheit und Abwehrreaktionen des Pferdes. Das Pferd gehört damit in eine Pferdeklinik und landet vermutlich auf dem OP-Tisch. 

Bei den vom Osteopathen behandelten Blockierungen handelt es sich um Subluxationen der Gelenke. Es sind geringfügige Verschiebungen der Gelenkspartner, die aber dennoch einen massiven Einfluss auf das Gelenk und das umgebende Gewebe haben konnen. Dazu gehören natürlich die Muskeln, Bänder und Sehnen.

Zusätzlich gibt es noch die Faszien, deren Einfluss häufig unterschätzt wird.

Faszien bestehen aus kaum durchblutetem Gewebe. Sie hüllen alle Muskeln und Organe im Körper einzeln ein und sind miteinander verbunden. Kontraktile Zellen, also Gewebeanteile, die sich zusammenziehen können und die gesamte Struktur somit verkürzen, können zu einer Versteifung ganzer Körperregionen beitragen. Die hohe Dichte an Nervenenden übermittelt diese Verspannungen ans Gehirn, wodurch ein angepasstes Bewegungsmuster initiiert werden kann. Die Verbindung der einzelnen Körperregionen über das System der Faszien kann auch dazu führen, dass der Schmerz auf weiter entfernte Körperteile ausstrahlt.

Eine ganzheitliche, und damit auch nachhaltige osteopathische Behandlung darf sich also nicht nur auf die einfache Mobilisierung der Gelenke konzentrieren. Auch die beteiligten Strukturen müssen so behandelt werden, dass sie nicht zu einem erneuten Auftreten der Blockierung führen. Gleichzeitig müssen natürlich auch mögliche Faktoren, die die Läsion herbeiführen oder begünstigen, vermieden werden.